Der Faktor Bewusstsein, Teil 1-6

by Ruth Wenger on 7. August 2015

Das “Herzstück” – der Polarstern…

Nach einer längeren Pause will ich wieder ein Thema aufgreifen und in verschiedenen Bereichen und Dimensionen beleuchten. Diesmal ist es das “Herzstück” meiner 35 Jahre Arbeit; das Thema, das mir immer – wie der Polarstern – Richtung und Inspiration gegeben hat: Der Faktor Bewusstsein.

Bewusstsein als “Faktor” zu bezeichnen ist eigentlich in sich ein Widerspruch. Denn was ich “Bewusstsein” nenne, kann  nicht quantifiziert und weder über die Sinne noch mit dem Verstand erfasst werden. Und doch es ist eine “Grösse”, die – wenn man damit in Kontakt kommt – alles verändert.

Das Wort “Faktor” ist in der Mathematik ein Operand, in der Regel eine bestimmte Zahl. Genereller definiert bedeutet es: Eine Einflussgröße auf ein Geschehen. Also etwas, das in sich Veränderung beinhaltet. Wenn ein Faktor wirkt, verändert er. Ist es eine bestimmte Grösse, kann ein Resultat vorausgesagt werden. Ist die Einflussgrösse unendlich – was ist dann….?

Bezogen auf die Wirkungsweise von Bewusstsein muss diese Frage gestellt werden. Denn Bewusstsein, so wie ich es in meinem Buch “Der Alpha Faktor“ im Kapitel 10.3 beschrieben habe, ist ein Feld unbegrenzter Möglichkeiten. Wenn sich die Aufmerksamkeit mit diesem Feld verbindet, kontaktiert man eine Ressource, welche Wissen, Information und Inspiration über das volle Potenzial in sich trägt – von einem selbst, einer Situation, einer Lösung, etc. Dieser Kontakt verändert etwas im individuellen Bewusstsein – in der Wahrnehmung, in der Denke, im Fühlen und, als natürlicher Ausdruck, im Handeln.

Die Veränderung, welche durch den Faktor Bewusstsein initiiert wird, ist intrinsisch, dh. sie geschieht von innen heraus. Ein Firmenteam hat mir im Feedback auf eine Schulung (AlphaRessourcen-Management) geschrieben: “Es hat sich nichts verändert – und doch ist alles anders”. Damit meinten sie sich selber, aber auch das Team; das Klima, der Umgang mit einander. Das schien mir eine gelungene Beschreibung von etwas, das schwer zu beschreiben ist. Man merkt, dass etwas anders ist – kann es aber nicht klar benennen.

Ja, es ist eine grosse Herausforderung, vielleicht sogar eine Anmassung, über Bewusstsein zu schreiben – etwas, das man eigentlich gar nicht beschreiben kann… Aber ich will mich dem stellen und es so „unvollkommen-gut“ wie möglich angehen.
Ich werde immer wieder Worte in Anführungszeichen setzen, denn ganz oft kommen Worte nicht wirklich hin an das, was ich sagen will. Die Sprache ist nicht der beste Weg, etwas auszudrücken, das eigentlich nur erfahren werden kann – aber er ist gangbar auf Distanz. Es kann allerdings hie und da eine “Turnübung” werden – für mich und für Sie – die “Dehnungen” erfordert und bewirkt. Wenn Sie die Worte jedoch “leicht” nehmen – als Versuch, auf etwas hinzudeuten – kann diese Kommunikationsform sehr dienlich sein und assoziativ-intuitiv grössere, verbindende Räume öffnen.

Ich werde auch in den kommenden Serien dieses eher “abstrakte” Thema wieder mit praktischen Beispielen aus Befragungen illustrieren. Denn, wenn dieses veränderte, bereicherte, individuelle Bewusstsein in Aktion geht – durch denken, fühlen und handeln – kommt zum Ausdruck, dass sich alles leichter und besser, klarer und umfassender, ganzheitlicher und nachhaltiger gestaltet. Wie wenn diese “Anbindung” einen selber und die Dinge “vollkommener” oder ganzer macht.
Ich habe im letzten Jahr wieder mit Befragungen begonnen, welche ich dieses Mal etwas anders aufziehe. Ich versuche, sie als Dialog zu gestalten – oder im Verlaufe des Gesprächs sich dahin entwickeln zu lassen.
Ich habe zwar einen Fokus: Leadership – eine Bewusstseins-Kompetenz und Interessenpunkte:

  • Was unterscheidet eine “normale Führungskraft” von einem Leader?
  • Was sind die Facetten von Leadership?
  • Welche Fähigkeiten/Eigenschaften machen Persönlichkeiten aus?
  • Wie können sie kultiviert werden?
  • Wie sind sie in einem Menschen geworden?
  • Was fördert und was behindert?
  • Welche Rolle spielen Herkunft, Bildung und Erziehung?

Ich bleibe aber ganz offen, wie das Gespräch sich entwickelt. Ich habe kein fixes Ziel – es soll entstehen können, was entstehen will. Und das ist Wunder-voll! Jede Person öffnet einen ganz persönlichen und einzigartigen Einblick in die Thematik und illustriert verbindende sowie auch individuelle Facetten von Bewusstsein.

Ich versuche, wo immer möglich, auch mich selber einzubringen und jedes Mal neu und “unwissend” an das Thema heran zu gehen. So führen diese  Dialog-Interviews immer wieder zu tiefen und persönlichen Einsichten – für die Befragten und für mich.
Bei der Vorbereitung dieser ersten Blog-Beiträge habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich diese Erfahrungen mit Ihnen teilen könnte und mich entschieden, dass ich die Transskripts – wenn  immer möglich – 1:1 veröffentlichen will (mit dem Einverständnis der Person selbstverständlich). So können Sie mitverfolgen, wie sich im Dialog ein tieferes Verständnis für die Thematik generiert und zu umfassendem, grundlegend Neuem führen kann. Dies deckt den zweiten Aspekt meines neuen Arbeitsfeldes ab: Dialogpraxis nach David Boom.

Die Dialogpraxis ermöglicht gezielt die Aktivierung und Nutzung der Bewusstseins-Ressource in Gruppen und Teams. Sie schafft die Voraussetzungen, dass der  Faktor Bewusstsein im Kollektiv erfahren werden kann. Wenn dies geschieht entsteht ein gemeinsames Feld, welches zu einem wichtigen, “mitteilsamer” Aspekt des Dialogs wird, aus dem neue, noch nie dagewesene Gedanken entstehen können.

Ein spannendes und zeitgemässes Thema, dem sich Menschen wie Williams Isaacs (Dialog als Kunst gemeinsam zu denken), Joseph Jaworsky (Synchronicity: The Inner Path of Leadership) und Otto Scharmer (Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik) und andere, eingehend widmen und eine neue Art des zusammen Denken und Arbeitens aufzeigen.

Ich werde im Verlaufe der Beiträge ein möglichst praktisches und nutzbares Grundverständnis dafür schaffen. Und da finden sich auch einige Möglichkeiten für die Anwendung der Prinzipien im Alltagsleben – also in “Life&Learning”.
Die meisten Menschen, welche ich  befrage, sind in irgendeiner Funktion in der Wirtschaft tätig. Sie werden jedoch sehen, dass die Gespräche weit über wirtschaftsbezogene Inhalte hinausgehen. Ja, sie sind Beispiele, wie der Faktor Bewusstsein einen selber – und jede Funktion oder Tätigkeit – in eine umfassendere Dimension stellt und damit die Entscheide und der menschliche Umgang ethisch tiefgreifender und verantwortungsvoller werden.

Es stehen also interessante Beiträge an. Ich werde so alle 3-4 Wochen aufschalten und allen eingetragenen Blog-Mitgliedern jeweils einen kurze Mitteilung schicken.

Die “Kommentare” können leider nicht genutzt werden. Es kommen täglich -zig Spams rein und ich habe es aufgegeben, darin nach Perlen zu fischen. Aber auf Mails an ruth.wenger@alphaskills.ch freue ich mich und antworte, wenn immer möglich, prompt!

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