Der Faktor Bewusstsein, Teil 3-6

by Caroline Wilhelm on 23. Oktober 2015

Führen und dienen

Die Befragung mit Markus Hotz dreht sich in diesem Teil um jene tieferen Qualitäten von Leadership, welche mit Haltung zu tun haben.

Die innere Haltung ist ein intrinsischer Treiber; was motiviert mich zu tun was ich tue? Warum will ich bestimmte Ziele erreichen? Was ist mein persönlicher Gewinn daraus? In welcher Form dient es andern – einem grösseren Ganzen? Wenn man mit diesen Fragen tief geht – auch bei kleineren Sachen im Alltag – können sie sehr aufschlussreiche Einsichten ermöglichen.

Meine erste Frage an Markus Hotz in diesem Kontext: Was motiviert eine Führungskraft, was motiviert einen Leader?

Leadership heisst sicher einmal, Führung zu übernehmen, meint aber nicht zwingend, dass man „zuoberst stehen“ oder „vorneweg gehen“ muss. Leadership könnte man – als Wortspiel – so formulieren: Alle mir nach – ich folge euch. Es ist eine Wechselwirkung. Ein guter Leader ist für mich auch ein guter Follower.

Das finde ich eine interessante Aussage und sie hat mich motiviert, über „führen und dienen“ nachzudenken und bin zu dem Schluss gekommen: Ein „Führer“ steht etwas vor und führt, ein „Diener“ steht hinter etwas und fördert.

Ich bin mir bewusst, dass der Begriff „dienen“ nicht mehr „sexy“ ist in unserer Zeit, aber ich fand im Duden eine ganz interessante Definitions-Pyramide:

1.           In abhängiger Stellung [gegen Lohn, Gehalt] bestimmte Pflichten erfüllen, bestimmte Arbeiten verrichten, bei jemandem Dienst tun, in jemandes Dienst stehen

2.            (gehoben) sich einer Sache oder Person freiwillig unterordnen und für sie wirken; für jemanden, etwas eintreten

3.            jemandem behilflich sein, helfen – gebraucht, benutzt, verwendet werden; einen bestimmten Zweck haben oder erfüllen

Ich finde, dass, wenn man das Thema durch diesen Filter anschaut, das Wort auch einen  „evolutionären“ Charakter bekommt und sich von einer „schwachen Position“ in eine starke entwickelt.

Dienen in 1. kann sehr fremdbestimmt sein. Die Ziele müssen nicht selbstgewählt sein und auch keinen ethisch hohen Stand haben

Dienen in 2 bringt die Selbstbestimmung und damit eine innere Motivation mit sich.

Dienen in 3 ist eher ein sich-Hinwenden an etwas und diesem zum Ausdruck verhelfen.

Dazu weiter Markus Hotz:

Leadership bedingt auch Followership – das schafft eine andere Atmosphäre der Zusammenarbeit als eine Führungskraft, welche innerhalb einer Hierachiestufe gewisse Dinge umsetzen muss. Darum würde ich eher differenzieren zwischen den Begriffen Management und Leadership um die Funktionen auseinander zu halten. Aber im deutschen Sprachraum ist der Begriff „Führungskraft“ gängig. Man könnte das Wort Führungskraft mit Manager ersetzen – so kann man besser differenzieren.

Sollte man also unterscheiden, ob eine Führungskraft eher ein Manager ist oder eher ein Leader?

Ein Mensch, der Verantwortung übernimmt für eine Firma und Menschen, der muss Managementqualitäten und Führungsqualitäten haben; er sollte Management UND Leadership abdecken.

Management in einer Funktion – Budget, Prozesse, Strukturen, Projekte managen – ist jener Teil, der wie ein Handwerk ausgeübt wird. Darin sollte jemand sehr gut ausgebildet sein.

Leadership ist jener Teil, bei dem menschliche Qualitäten – die innere Haltung, das Kennen gewisser Gesetzmässigkeiten – tragend ist.

Ich finde es bezeichnend, dass Markus Hotz die innere Haltung und das Kennen gewisser Gesetzmässigkeiten  als menschliche Qualitäten bezeichnet. Das wäre es doch, was uns zu Menschen macht: Dass wir differenzieren können (sollten), was lebensförderlich und was lebensfeindlich ist , und wissen (sollten), dass das, was wir tun, in Verbindung bleibt mit dem Handelnden und – dem Gesetz der physikalischen Resonanz entsprechend in irgend einer Form zu ihm zurück kehrt, wie ein Bumerang… Dann wären gewisse Dinge machbar und andere schlicht und einfach nicht. Das zu unterscheiden braucht keine äussere Instanz – das hat jeder in sich drin, wenn er  sich „getraut“, sich wesentliche Fragen zu stellen. Dazu waren sehr interessante Beiträge im Blog-Buchkapitel 11 und was Markus Hotz hier weiter dazu zu sagen hat.

So könnte man unterscheiden und sagen, das Eine ist „hart“ und das Andere ist „weich“, aber es fliesst ineinander. Das Eine ohne das Andere bringt nicht den gleichen Wert.

Vielleicht, wenn man auf einer Zeitachse schaut, wächst man tendenziell zuerst in eine Managementrolle hinein – lernt das Handwerk und versteht es gut auszuführen. In einer nächsten Phase sollte man, sich auf der menschlichen Ebene weiterbilden, damit man den Teil Leadership – natürliche Autorität, klare und respektvolle Haltung gegenüber andern – besser praktizieren kann. Management und Leadership ergänzen sich.

Du hast eine Facette der Haltung von Leadership erwähnt: Respekt. Was wären noch weitere Facetten, welche einen Leader ausmachen?

Da kommen mir folgende Worte in den Sinn – auch wenn sie bereits etwas „abgedroschen“ sind: Authentizität, Integrität – das, was eine Person denkt, sagt und tut übereinstimmt. Das bedeutet, dass man weiss, woran man ist mit diesem Menschen – es gibt keine „bösen Überraschungen“.  Leader zeichnen sich auch aus durch Klarheit im Denken und Handeln. Sie sind nicht Menschen, die nur das tun, was anderen gefällt, um Anerkennung zu bekommen. Sie sind Menschen, welche von einer Sache tief überzeugt sind und dies auf eine menschlich respektvolle und klare Art kommunizieren können, so dass das Umfeld weiss, wie sie in ihren Bereichen Entscheidungen treffen können, ohne „faule Kompromisse“.

Das scheint mir mit Vertrauen zu tun haben – dass ein Leader ein vertrauenswürdiger Mensch ist.

Glaubwürdig, vertrauenswürdig – im Denken und Handeln kongruent in verschiedensten Lebenssituationen. Eine Person, die sich klar ausdrückt – die sagt, was sie meint und meint, was sie sagt. Die nicht manipulativ ist, sondern im positiven Sinn auf andere Einfluss nehmen kann -  manipulieren hat für mich oft einen negativen Aspekt.

Wenn man gewisse Techniken kennt, kann man Menschen leicht manipulieren – das kann man tagtäglich in den Medien erleben. Manipulation im negativen Sinne will jemanden in eine Richtung bringen, welche nützlich ist für einem selber oder die eigene Firma, aber nicht für den anderen. Das ist nicht Leadership.

Wenn jemand werteorientiert und respektvoll Einfluss nimmt auf die Handlung oder Entscheidung anderer, ist der manipulative Effekt weg – das meine ich mit Haltung und das ist eine Leadershipqualität.

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